Bad-Practice: Das Modehaus bredl im Web 2.0

Bad-Practice: Das Modehaus Bredl

Auf meiner täglichen Recherche durch die Facebook-Landstriche der Region Oberschwabens bin ich momentan in Ravensburg hängen geblieben. Grund dafür ist das Bekleidungshaus bredl, welches den Ravensburgern durchaus ein Begriff sein dürfte.

Offensichtlich versucht man im Hause bredl die Sozialen Medien, allen voran natürlich Facebook (bietet sich bei der Zielgruppe ja auch an) dahingehend zu nutzen die Bekanntheit für das Modehaus zu steigern und bestehende Kunden zu binden.

Der aufmerksame Leser darf mich jetzt ruhig mal wörtlich nehmen: Man versucht.

Denn überfliegt man mit 5 bis 6 Scrolls die Chronik, so entdeckt man ein nicht ganz seltenes Phänomen: Die Konstanz des Facebook Auftritts entspricht ungefähr dem Straßenverlauf einer Motorradtour im Alpenvorland:

Kurzzeitig gehts steil bergauf, dann wieder längere Talfahrten – Kurve links, Kurve rechts. Man hat kein wirkliches Ziel, aber ist ja egal, der Weg ist das Ziel und irgendwann werden wir schon irgendwo rauskommen.

Gewinnspiel Facebook bredlIm September 2011 erblickt die Fanpage das Licht der Welt und der offizielle Start kann wohl auf den 1. Dezember 2012 datiert werden. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft geht man direkt in die Vollen und verlost einen iPod-Nano & drei Gutscheine im Gesamtwert von 100€ unter den ersten 200 Personen die den Button der die Welt bedeutet als erstes drücken.

Ein gutes halbes Jahr später fiebern wir immer noch und warten bis die Verlosung endlich beginnt, denn die 200-Like-Grenze ist noch nicht erreicht. Dann mein persönlicher Lichtblick!

Der Bredl „Tweet-Mirror“! Wow! Allein der Name klingt vielversprechend, jedoch bin ich mir in Anbetracht des verhaltenen Starts der Facebook-Seite und des eher missglückten Gewinnspiels nicht ganz im Klaren ob das eine Eigenerfindung der „bredls“ ist. Spielt am Ende ja auch keine Rolle. Oder doch?

Denn auch hier sieht es aus, als hätTweet Mirror bredlte da jemand irgendwo in einem Forum/Blog gelesen, dass ein Modehaus sowas erfolgreich betreibt und es dann einfach mal umgesetzt. Pardon. Versucht umzusetzen. Denn nach 7 „Mirror-Tweets“ ist Schicht im Schacht. Gründe hierfür?
Ich tippe einfach mal, dass sich der erhoffte virale Effekt sich (nach 2 Wochen…) nicht eingestellt hat und man dann die Kosten abwägte und beschloss: „naaa, des bringts net.“
Oder der Klassiker: Datenschutzrechtliche Hintergründe.

Aber zurück in die Gegenwart. Schauen wir was Bredl heute macht um die 200 Like „Schallmauer“ zu durchbrechen.

AH! Hier, der nächste Lichtblick. Wir werden nun „inter-social-medial“ und binden Youtube mit ein. Klasse! der Titel des Videos: „Willkommen bei bredl in Ravensburg!“ (Link). Das Image-Video wurde ernüchternde 131 Mal geklickt. Verdammt. Wieder kein viraler Effekt? Warum?

Einfache Antwort: Wer leitet seinen Freunden schon einen 140 Sekunden langen Spot weiter in dem einen bei postmoderner Synthesizer-Musik geschlagene 18 Mal (!) Markenlogos in Großaufnahme vor die Nase gehalten werden. Wenig Emotionen – kaum Message.
Naja, Haken dran.

Letzter Anlauf: Das Public Viewing im Klösterle unter dem Motto „WIR SIND DABEI!“. Ja? Und weiter? Nein. Nichts weiter. Ich war vor Ort, bevor ich mich entschlossen hatte diesen Artikel zu schreiben. Und ich konnte mich nicht erinnern das bredl dabei war. Ziel verfehlt.

Und auch kein Hinweis mehr auf den lang ersehnten 200ersten Like.

Eigentlich schade. Denn Spätzlemitsoß befindet sich auch in der Lostrommel.
Vielleicht ja rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft 2012.

Doch nun kurz Spaß bei Seite: Der Social Media Auftritt von bredl ist ein klassiches Beispiel für „Lass uns mal machen und schauen was es uns bringt.“ Es ist leider kein zu Ende gedachtes Konzept erkennbar. Doch was tun? Hier die, aus meiner Sicht plausibelsten, Möglichkeiten:

1. Ziele definieren, Ressourcen checken und Actionplan aufstellen. Einheitliches Konzept entwickeln (externe Hilfe durch Online-Marketing-Agentur?) und die Facebook-Präsenz relaunchen. Vielleicht zum Vorweihnachtsgeschäft 2012.

2. Fanpage offline nehmen und stattdessen eine reine „Info-Seite“ erstellen. Wirkt immer noch seriöser als eine verwahrloste Fanpage.

3. Eure Meinung ist gefragt: Welche Möglichkeiten seht ihr noch?

Hier gehts zur Facebook Fanpage von bredl.

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Christian

Kurz zu mir: Als Social Media Community Manager der Firmengruppe Liebherr betreue ich die verschiedenen Firmen-Auftritte auf Facebook, Twitter, Instagram, Google+ und YouTube. Daneben blogge ich hier über Social Media Marketing, Online Marketing und sonstigen digitalen Schabernack.

Kommentare (9) Schreibe einen Kommentar

  1. Wahrscheinlich wird das bei so einer unbedeutenden Seite niemanden groß stören, aber das Gewinnspiel entspricht nicht den FB Richtlinien für Promotions:
    „Du darfst keine Facebook-Funktionen als Registrierungs-/Einstiegsmechanismen für die Promotion verwenden. Beispielsweise darf das Anklicken von „Gefällt mir“ auf einer Seite bzw. das Einchecken an einem Ort nicht zur automatischen Registrierung bzw. Teilnahme eines Teilnehmers an einer Promotion führen.“ https://www.facebook.com/page_guidelines.php#promotionsguidelines

    Ein weiteres Indiz dafür, dass hier jemand recht unbedarft, ohne Strategie und Hintergrundwissen einfach mal Facebook macht.

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    • Hallo Flo,
      vielen Dank für diesen Hinweis. Das Rechtliche habe ich im Bezug auf das Gewinnspiel garnicht beachtet, vielen Dank, dass du noch darauf hingewiesen hast. Ich vermute fast, meiner eigenen Erfahrung nach, dass diese Regelung vom Großteil der Seitenbetreiber unwissentlich gebrochen wird.

      Grüße nach Hamburg!
      Christian

      P.S. Ich warte immer noch auf mein Social-Media-Prisma-Poster 😉
      Schon losgeschickt? :)

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  2. Es fehlt auch ein Impressum, der „hier entsteht ein individueller Tab“-Tab ist peinlich, die anderen Tabs funktionieren in meinem Chrome nicht … tolle Ideen sinnlos umgesetzt … schade, aber so etwas findet sich leider nur zu häufig in der deutschen Social Media Welt. Das ist ja „dieses Internet-Zeug, dass mach ich selbst“. Dass man dem Image damit derb schadet, scheint irgendwie nicht zu stören. Hauptsache keinen „teuren“ Profi bezahlen müssen. 😀

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  3. Strategie ist das eine. Schöne Bilder das andere. Beide alleine führt nicht zum Erfolg. Es ist immer ein guter Text, vom Fachmann verfasst, der die Brücke schlägt und letztlich für den Erfolg sorgt.
    Und da schließe ich mich gerne meinem „Vorposter“ an. Blos keine teuren??? Fachleute beauftragen.
    Na, irgendwann wird das Bewusstsein dafür noch kommen.

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  4. Hallihallo,

    vor selbiger Problematik stand vor Kurzem ein Bekannter und dieses Phänomen gibt es leider viel zu oft zu beobachten. Das Geschäft wird in Facebook beworben und sich dann gewundert, dass es kaum Resonanz darauf gibt. Die Frage, was denn regelmäßig gepostet werden solle, sowie die Frage auf die vorhandene und gewünschte Zielgruppe und deren Bedürfnisse blieben unbeantwortet. Es ist meiner Meinung nach ein elementares und zudem oft auftretendes Problem, dass der Anbieter weder seine Zielgruppe noch deren Bedürfnisse kennt. Woran und mit welchen Mitteln soll dieser dann seine Marketingmaßnahmen ausrichten? Ohne entsprechende Fachkenntnisse fällt leider alles unter „Ich probiere das mal aus und schau, was dabei rum kommt.“ Hauptsache wir sind Social Media. Analysieren, konzipieren, umsetzen, kontrollieren, optimieren. Dann klappt das auch mit dem Social Media. 😉

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  5. Hm.. besonders „nett“ liest es sich nicht – besonders mögen würde ich die Analyse als Modehaus wahrscheinlich auch nicht – aber sie ist, und darum geht es, aufschlussreich. Ich konnte Einiges mitnehmen.

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  6. Einerseits spielt sich bei Bredl das ab, was sich bei so vielen kleinen Betrieben derzeit abspielt. Man will dabei sein und kann es nicht. Geld für Fachleute ausgeben kommt auch nicht infrage also wurschtelt man so weiter. Koscht ja nix.

    Andererseits freue ich doch sehr, dass es Bredle 1. noch gibt und 2. in der heutigen Zeit angekommen ist. Hintergrund: Ich kenne Bredl seit den frühen 1970er-Jahren aus Wangen. Lang‘ ist’s her. Insofern. Wenn Bredl noch immer da ist, haben sie scheinbar nicht alles falsch gemacht. Glückwunsch dazu.

    (Ich weiß leider nicht, ob es Bredl in Wangen überhaupt noch gibt.)

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