Mobile Recruiting: Wenn die Zukunft schon längst Realität ist (Gastartikel)

Früher war alles besser.

Früher hat man als Personaler eine Print-Stellenanzeige im lokalen Käs’blättle geschalten und hatte danach eine Flut von Bewerbungen auf dem Tisch liegen. Und damit könnten alle Recruiter auch bestimmt ganz fein leben. Das Problem dabei ist: Zeiten ändern sich.

Dank demografischem Wandel, Fachkräftemangel und technologischem Fortschritt bedarf es heute einem ganz eigenen Begriff, mit dem sich Unternehmen auf der Suche nach fähigen Mitarbeitern auseinandersetzen müssen: Personalmarketing. Und Personalmarketing ist vor allem eins. Nämlich ein integrierter Marketing-Mix, der bei einer exakt definierten Zielgruppe eine Arbeitgebermarke platzieren soll.

Zielgruppe? Ja, genau. Zielgruppe

Um die Botschaft einer Arbeitgebermarke adäquat und möglichst ohne Streuverluste zu platzieren, ist es wichtig, genau zu wissen, welche Bedürfnisse unsere Bewerber von morgen haben und vor allem auch, über welchen Kanal ich sie ansprechen kann. Oder anders gesagt: In welchem Medium hält sich meine Zielgruppe auf?

Anzeige Deutsche RentenversicherungVor rund anderthalb Jahren waren es Social Media, die die Personalmarketing-Welt anfingen zu beschäftigen. Facebook war da schon lange etablierter Alltagsgegenstand. Heute haben sich die Nutzergewohnheiten vor allem der jungen Generation Y weiter gewandelt. Social Media werden jetzt nicht mehr nur noch zuhause vor dem Desktop-PC konsumiert, sondern vorwiegend unterwegs über mobile Endgeräte.

Laut der aktuellen ARD/ZDF Online-Studie nutzt nahezu jeder zweite im Alter zwischen 14 und 29 Jahren bereits das Internet über ein mobiles Endgerät. Ganz zu schweigen von der iGeneration (auch NetGeneration oder alphabetisch korrekt Generation Z genannt), in der das Smartphone bereits in der Grundschule zum guten Ton gehört. Vorzugsweise das mit dem angebissenen Fallobst hinten drauf.

Mobile ist nicht die Zukunft, sondern längst die Realität.

Man muss nur seine Mitmenschen einmal ganz genau beobachten. Ganz besonders morgens im Zug auf dem Weg zur Arbeit. Oder auch im Schulbus. Mobile Endgeräte sind allgegenwärtig. Smartphones, Tablets und Ebook-Reader haben die klassische Tageszeitung als Unterhaltungs- und Informationsmedium abgelöst. Es ist nicht „The Next Big Thing“. Es ist ganz und gar real. Und das gilt auch für das Personalmarketing.

Survival of the mobilest

Wie schon erwähnt gilt es diese Entwicklung im Kommunikationsverhalten der Bewerber aufzunehmen und in das eigene Personalmarketing zu integrieren. Schließlich will die Zielgruppe ja (mobil) bespaßt werden. Das Thema Mobile Recruiting, also ganz konkret die Nutzung von mobilen Kommunikationskanälen zur Bewerberansprache, scheint in vielen Personalabteilungen aber noch nicht angekommen zu sein.

Eine mobile Stellenanzeige

Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass viele Personalmarketing-Verantwortliche nicht einmal mit Sicherheit behaupten können, dass ihre Karriere-Website für die Ansicht auf mobilen Endgeräten optimiert ist. Soll heißen, dass die Website von jedem beliebigen Smartphone oder Tablet betrachtet und ihr Inhalt komfortabel und barrierefrei konsumiert werden kann. Ohne umständliches Zoomen mit Daumen und Zeigefinger und ohne dass man mit einem Finger mehrere Links gleichzeitig drückt. Nirgendwo anders zählt der Webdesign-Grundsatz „form follows function“ mehr.

Dabei kann mobile Recruiting doch auch schon im Kleinen betrieben werden. Es muss nicht immer gleich die bundesweite Bling Bling-Kampagne mit Feuerwerk sein. Eine Print-Online-Schnittstelle in Form von QR-Codes in der Stellenanzeige, die dann wiederum auf eine mobil optimierte Karriere-Website oder auf die gängigen Social Media Kanäle führt, ist schon mal ein sehr guter Anfang. Oder eine Bannerschaltung in zielgruppenspezifischen Smartphone-Applikationen. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen stellt das einen nicht ganz so kostenintensiven Einstieg in das Mobile Recruiting dar. Es muss ja nicht gleich Augmented Reality[4] oder Location Based Services wie bei den Global Playern sein.

Prinzipiell gilt aber auch für KMU: Unternehmen müssen anfangen, nicht das Heil in altbekanntem und gewohntem zu suchen, sondern müssen den Mut haben, neue Wege beschreiten. Zielgruppen und die Kenntnis über Ihre Bedürfnisse und Gewohnheiten sind das A und O eines jeden Unternehmens im Allgemeinen und eines jeden Marketers im Speziellen.

Mobile Kommunikation ist längst vom Trend zur Realität geworden und ein wichtiger Kanal im Kampf um die Talente und Nachwuchskräfte von morgen. Wichtig ist nichtsdestotrotz: Hausaufgaben machen (sprich: eine passende Karrierewebsite online verfügbar machen und optimieren) bevor man sich in neue Gefilde traut. Und die heißen neben Social Media eben auch Mobile Recruiting. Mit einem gut ausgerüsteten Basislager und etwas Pioniergeist erklimmt man auch den höchsten Berg.

 

Alexander SpanicÜber den Autor:
Alexander Spanic ist Projektmanager Personalmarketing bei der KÖNIGSTEINER AGENTUR aus Stuttgart und beschäftigt sich im besonderen mit Themen wie dem Employer Branding und Social Media Recruiting.

Aktuell bietet die KÖNIGSTEINER AGENTUR einen 2-tägigen Intensiv-Workshop zum Thema Social Recruiting und die passende Kommunikationsstrategie. Infos und Anmeldung unter www.hrmarketingpraxis.de

 

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Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Sorry, Denglish muss nicht sein.

    fit, fitter, fittest

    mobile, more mobile, most mobile

    Englisch Klasse 6. 😉

    Es ist eine Entschuldigungspostkarte an den Englischlehrer von damals fällig.

    Antworten

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