Recruiting im Social Web (4/4): Das Interview

Leiterin der KaVo Personalentwicklung & Ausbildung

In unserem vierten und somit letzten Teil der Serie „Recruiting im Social Web“ gibt uns Iris Fürst-Ludwig, Leiterin des Bereichs Personalentwicklung und Ausbildung der Kaltenbach & Voigt GmbH aus Biberach einen interessanten Einblick hinter die Kulissen des letzten Best-Practice Beispiels. Mir ist bewusst, dass 1100 Wörter für ein Dessert eine ordentliche Portion sind – aber ich verspreche Ihnen: Sie werden nicht enttäuscht sein.
Auf zum letzten Gang. Wohl bekomm’s!

Leiterin der KaVo Personalentwicklung & Ausbildung

Iris Fürst-Ludwig
Leiterin der KaVo Personalentwicklung & Ausbildung

Spätzlemitsoß.de: Hallo Iris, ihr seid mit KaVo das erste Unternehmen in Biberach a. d. Riss, welches speziell für den Bereich Ausbildung-Studium-Praktikum eine eigene Facebook-Fanseite eingerichtet hat.
Kannst du uns bitte kurz erläutern, wann diese Entscheidung gefallen ist?
Iris Fürst-Ludwig: Die Entscheidung für einen Facebook-Auftritt für den Bereich Ausbildung, Studium  & Praktikum fiel bereits Ende 2011. Die tatsächliche Umsetzung und der Launch fanden dann Anfang dieses Jahres statt.

Spätzlemitsoß.de: Was waren die ersten Schritte, die du eingeleitet hast?
Iris Fürst-Ludwig: Wir begannen zuerst damit ein Team zu bilden. Neben den Hauptverantwortlichen aus unserer Abteilung wurden auch Wirtschaftsinformatik- und BWL-Studenten ins Boot geholt. Uns ist wichtig, dass die Seite aus den „eigenen Reihen“ betreut wird: Die Seite soll Jugendliche und junge Erwachsene, unsere Zielgruppen, ansprechen und deshalb sehen wir es als sinnvoll an, dass die Inhalte von unseren Auszubildenden und Studenten kommen.

Das Team wird nun auch nach und nach ausgebaut, denn je mehr Leute dahinter stehen, desto mehr Proaktivität können wir auf unserer Facebook-Präsenz bieten.

Spätzlemitsoß.de: „Aller Anfang ist schwer“ – welche unerwarteten Schwierigkeiten und Problemstellungen musstet ihr überwinden?
Iris Fürst-Ludwig: Zu Beginn eigentlich überraschend wenig (lacht). Jedoch wurde unsere Fanpage dann vor dem geplanten Start vom einen auf den anderen Tag auf die Chronikansicht umgestellt. Das bescherte uns einige unerwartete Stunden Arbeit, da wir Bilder neu einpflegen mussten, ein neues Titelbild benötigten, das Format des Profilbilds sich geändert hatte und so weiter. Der Start verschob sich dann um eine Woche.

Zudem mussten wir natürlich die Inhalte definieren, welche wir liefern wollten und uns damit auseinander setzen was technisch überhaupt machbar ist. Den Spagat zwischen „Was wollen wir liefern?“ und technischer Umsetzung zu schaffen, war anfangs schon eine Herausforderung.

Spätzlemitsoß.de: Wie lief die Abstimmung mit dem Marketing ab? Gab es Bedenken?
Iris Fürst-Ludwig: Unsere Marketing-Abteilung war von Anfang an von der Idee begeistert und hat uns auch tatkräftig bei der Realisierung dieses Projekts unterstützt. Wir haben uns bewusst dazu entschieden, nicht über die vom Marketing betriebene zentrale KaVo-Fanpage zu posten, da es sich hier um eine andere Zielgruppe handelt. So kam es dann zur komplett eigenständigen Ausbildungs-Fanpage, welche sich aber selbstverständlich an die vom Marketing vorgegebene Corporate Identity hält.

Spätzlemitsoß.de: Gerade für Unternehmen, welche sich vorwiegend auf B2B-Märkten bewegen, und sich Social Media nicht als Kommunikationskanal mit der Zielgruppe des Vertriebs anbietet, ist das Recruiting über Social Media eine interessante Möglichkeit.
Nenn‘ uns doch bitte kurz die 3 wichtigsten Ziele, die ihr mit eurer Social Media Präsenz verfolgt.
Iris Fürst-Ludwig: Über die klassischen Medien, wie beispielsweise Zeitung und Radio, erreicht man in aller Regel meist nur die Eltern. Wir möchten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen über Medien erreichen, in denen sie sich auch wirklich aufhalten. Der direkte Dialog ist wichtig und für uns besonders wertvoll.

Das zweite Ziel lässt sich ganz kurz und prägnant formulieren, denke ich: Wir möchten ganz einfach die Arbeitgebermarke KaVo unter Schülern und Studenten bekannter machen.

Ein Thema, das für uns auch besonders wichtig war, ist, dass wir uns als modernes und aufgeschlossenes Unternehmen präsentieren möchten. Ich denke, dass schon alleine die Präsenz in den neuen Medien dies sehr gut widerspiegelt.

Spätzlemitsoß.de: Ein weit verbreiteter Irrtum ist leider immer noch, dass Social Media „ja im Prinzip nichts kostet“ und nebenher von einem Praktikant betrieben werden kann.
Kannst du uns einen Eindruck vermitteln, wie viele Mitarbeiter am Auftritt der KaVo  Personalentwicklung und Ausbildung beteiligt sind?
Iris Fürst-Ludwig: Gerne. Momentan besteht das offizielle „Facebook-Team“ aus einer Mitarbeiterin der Personalentwicklung und Ausbildung sowie 2 dual Studierenden. Wie schon erwähnt, sind wir gerade dabei, das Team nach und nach auszubauen, da beispielsweise unsere dual Studierenden nicht immer zur Verfügung stehen.

Kontinuierliche Betreuung ist aber Pflicht, weil Konstanz ein wesentliches  Erfolgskriterium für unseren Auftritt ist. Das ganze denke ich, wird sich langfristig in einer Größenordnung von fünf bis sieben Facebook-Teammitgliedern bewegen.

Neben diesen „direkten“ Mitarbeitern beliefern uns unsere restlichen Auszubildenden, Studierenden und Praktikanten mit Inhalten. Berücksichtigt man das, ist es natürlich ein weitaus größerer Kreis an Mitwirkenden.

Spätzlemitsoß.de: Viele sind anfangs der Meinung, dass man „Facebook mal so eben nebenher macht“. Habt ihr das anfangs ebenfalls unterschätzt?
Iris Fürst-Ludwig: Ja, definitiv (lacht). Wir wurden zwar vorher vorsichtig vom Marketing gewarnt, haben den Aufwand und die benötigten Ressourcen, um einen guten Auftritt auf Facebook zu gewährleisten, jedoch ganz klar unterschätzt. Wie viele andere auch hatten wir zu Beginn gedacht, einfach mal „drauf los posten“ zu können – merkten jedoch schnell, dass es auf Dauer nicht ohne Planung und Prozesse geht. Mittlerweile pflegen wir deshalb einen Redaktionsplan und machen uns im Vorfeld Gedanken, welche Inhalte unsere Zielgruppe interessieren könnte, wie wir diese aufbereiten und wann wir sie veröffentlichen.

Spätzlemitsoß.de: 5 Monate sind um – ziehen wir eine kurze Zwischenbilanz:
Sind erste Erfolge sichtbar?
Iris Fürst-Ludwig: Jein. Wir werten regelmäßig unsere Facebook-Statistiken aus und prüfen, ob wir tatsächlich unsere Zielgruppe erreichen. Der Zeitraum ist bis heute nur leider zu kurz, um schon erste wirklich sichtbare Erfolge messen zu können. Wir planen jedoch bei zukünftigen Bewerbungseingängen vermehrt zu überprüfen, wie der Bewerber auf dieses Stellenangebot aufmerksam geworden ist, um dann Rückschlüsse auf unsere Marketing-Aktivitäten ziehen zu können.

Spätzlemitsoß.de: Gibt es ein Leben neben Facebook? Wie sehen die zukünftigen Planungen bezüglich anderer Social Media Kanäle, wie z.B. Twitter, Youtube oder XING, aus?
Iris Fürst-Ludwig: Im Ausbildungsbereich werden wir uns vorerst auf Facebook als bekanntestes Medium innerhalb unserer Zielgruppe konzentrieren. Im allgemeinen KaVo Recruiting spielt dagegen beispielsweise XING schon eine Rolle und es werden bereits Stellen über diese Plattform ausgeschrieben. Um zusätzliche Kanäle qualitativ hochwertig zu betreuen, benötigt man ja auch wieder zusätzliche Ressourcen – hier sehen wir für uns aktuell noch keine Notwendigkeit.

Von daher: Lieber eines vernünftig als viele halbherzig.

Spätzlemitsoß.de: Ich danke dir für diesen interessanten Einblick hinter die Kulissen der KaVo Personalentwicklung und Ausbildung. Das letzte Wort gehört selbstverständlich dir:
Welche 3 Tipps möchtest du anderen Social Media Verantwortlichen mit auf den Weg geben, sollten diese gerade mit dem Gedanken spielen ein entsprechendes Projekt zu starten?
Iris Fürst-Ludwig: Man sollte sich vorher gut überlegen, wie man das Ganze aufsetzen möchte. Eine gute Planung vor Live-Schaltung des Auftritts erspart viel Arbeit und unnötigen Stress.

Gutes Social Media funktioniert nicht ohne ausreichende Ressourcen. Dessen muss man sich bewusst sein und sollte in Anbetracht des Umfangs sicherstellen, dass diese Ressourcen im Anschluss auch ständig zur Verfügung stehen.

Und zu guter Letzt ist es selbstverständlich auch im Bereich der Ausbildung absolut notwendig, seine Zielgruppe genau zu definieren. Nur so kann eine zielgerichtete Ansprache erfolgreich stattfinden und sich ein wertvoller Dialog mit der Zielgruppe entwickeln. 

Ein schönes Schlusswort! Vielen Dank für das interessante Gespräch.
Iris Fürst-Ludwig: Gern geschehen.

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Christian

Kurz zu mir: Als Social Media Community Manager der Firmengruppe Liebherr betreue ich die verschiedenen Firmen-Auftritte auf Facebook, Twitter, Instagram, Google+ und YouTube. Daneben blogge ich hier über Social Media Marketing, Online Marketing und sonstigen digitalen Schabernack.

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

    • Hellas Henner!

      Ich gehe einfach mal davon aus, dass du „nett“ nicht im Sinne von „nett ist der kleine Bruder von Scheiße“ verwendet hast und freu mich über dein Feedback :)

      Grüße nach Wiesbaden!

      Antworten

  1. Pingback: Auf zu neuen Ufern: Mein neuer Job als Community Manager bei Liebherr | Christian-Mehler.de

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