re:publica 2013 – Meine Highlights

re:publica 13

Die Füße schmerzen und mein Körper beschwert sich über den langsam wieder in normale Regionen abfallenden Koffeeinspiegel. Nachdem ich mit der Erwartung auf die diesjährige re:publica in der Station Berlin gefahren bin, eine Art Rock am Ring der Netzgemeinde vorzufinden, habe ich genau das vorgefunden: Denn analog zum 3-tägigen Biermarathon am Nürburgring ist die re:publica mittlerweile im Mainstream angekommen. Das klingt jetzt irgendwie vorwurfsvoll, soll es aber gar nicht. Denn am Ende des Tages geht es hier ja um das unser Internet, das uns alle etwas angeht. Und daher ist es auch völlig okay, wenn wir alle hingehen.

Die diesjährigen Zahlen unterstreichen das nochmal ganz schön:

5.000 Besucher, 450 Speaker, 64.000 Tweets, 13.000 Flaschen Bier und 6.000 Flaschen Club Mate. (Quelle: t3n)

Da sich die Eindrücke der gesamten drei Tage den Rahmen eines Blogposts sprengen würden, möchte ich euch an dieser Stelle meine drei Tages-Highlights vorstellen. Und für diejenigen unter euch, die im Laufe des Artikels Blut geleckt haben, gibt es am Ende eine Auflistung weiterführender Links zu Erfahrungsberichten anderer re:publica Besucher und dem offiziellen re:publica Youtube-Kanal. Film ab:

Highlight Tag 1: Youtube wird das neue TV

Gestartet bin ich Montagmorgen mit einem völlig anderen Thema auf der imposanten Stage 1: Gunter Dueck (@wilddueck) forderte zum Metakulturellen Diskurs auf. Biddewas? Prinzipiell ganz einfach: Wir befinden uns am Übergang in die Wissensgesellschaft und somit sind Maslow und seine Pyramide überholt. Ein neues Menschenbild muss her, um vom abendlichen Polit-Talk-Diskussions-Niveau wegzukommen, damit Diskurse in Zukunft auf möglichst hohem Niveau stattfinden können und auch zu Problemlösung führen und sich aufhören im Kreis zu drehen.

Apropos imposant: Das gesamte Bühnenkonzept basierte dieses Jahr auf weißen Pappkartons. 8000 dieser Boxes wurden von den rund 400 fleißigen, freiwilligen Helfern gefaltet, aufgetürmt und beklebt. Das Designkonzept für die diesjährige re:publica stammt von der Berliner Agentur „Zehn hoch Sechzehn“ und war wirklich mehr als beeindruckend. Chapeau!

Was dann kam, hat so ein bisschen was von „Alice im Wunderland“. In die folgenden zwei Sessions stolperte ich nämlich mehr oder weniger zufällig und somit ohne größere Erwartungen hinein. In „Youtube – zwischen Wildwest und Goldgrube“ gaben Betram Gugel und der über Google Hangout on Air zugeschaltete Markus Hündgen einen beeindruckenden Einblick über die mittlerweile populärste Videoplattform. Mit Erschrecken musste ich, wie viele andere im Saal feststellen, dass sich hier in den letzten 7 Jahren eine derart riesige Community entwickelt hat, über dessen Ausmaße ich mir so noch nicht im Klaren war.

Youtube Stars auf der re:publica 2013

Youtube Stars auf der re:publica 2013

Die anschließende Session „Youtube macht die Stars von heute“ machte das Ganze noch etwas greifbarer: Da sind zum Beispiel Kids wie Lefloid, der mit seinem eigenenen Youtube-Newskanal knapp 630.000 (!) Abonnenten verzeichnet und somit in seinem Zielgruppensegment (Jugendliche von 12-18) vermutlich mehr Reichweite hat als die Tagesschau erzielt.

Mehr als beeindruckend ist auch die Maschinerie, die mittlerweile hinter diesen Kanälen steckt. So war beispielsweise Christoph Krachten, Geschäftsführer von Mediakraft, dem größten deutschen Internet-TV-Sender, mit im Panel. Das Netzwerk Mediakraft betreibt über 200 Youtube Kanäle und erreicht monatlich über 8,5 Millionen Zuschauer. Zum Vergleich: Die Pro7/Sat 1 Gruppe liegt mit 9,3 Millionen monatlich erreichten Zuschauern nur (noch) knapp davor. Die RTL Group guckt mit ihren 6 Millionen dagegen ganz schön in die Röhre. Wortspiel. Höhö.

Fazit: Wer Youtube heute noch als „Plattform-auf-der-man-halt-für-umme-Videos-hosten-kann“ abgespeichert hat, der läuft Gefahr den Anschluss an eines der größten und dynamischsten Social Networks zu verpassen.

Highlight Tag 2: Dieter Zetsche über Mobilität 2.0

Eines muss man Dieter Zetsche, dem Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG, lassen. Der Mann mit dem Million-Dollar-Schnauzbart weiß sich und seinen Konzern zu verkaufen. So legt er gleich zu Beginn der Session „Das vernetzte Auto – wie verändert sich unsere Mobilität?“ ganz lässig sein Sakko ab und präsentiert dem Publikum seine trendigen Sneaker. Ob geplante PR oder nicht – er kommt sympathisch und vor allem sehr kompetent rüber. Im Gegensatz zu seinem moderierenden Gegenüber. Der hat wohl auch Ahnung, kann es allerdings nicht so richtig auf den Punkt bringen. Ein generelles Manko allerdings, welche die Besucher auch auf Diskussionen anderer Bühnen bemängelten.

Aber zurück zum Thema: Mobilität 2.0. Zum Thema Car-Sharing ließ Doctor Z den druckreifen Spruch ab: „Wenn es Veränderungen gibt, ist es klug, Teil der Veränderung zu sein“. So sei es nur logisch, dass sich der Automobilhersteller mit seinem Car-Sharing Projekt „Car2Go“ weiter auf Wachstumskurs befinde, Märkte erschließe und den Wandel mitgestalte. Eine Gefahr für das traditionelle Geschäft sieht Zetsche hier nicht.

Persönlich sehr interessant fand ich die Antwort auf die Frage, wie er die moderne Entwicklung von Mega-Städten in Schwellenländern sieht, und ob es hier nicht mehr Sinn machen würde, eine Evolutionsstufe zu überspringen und direkt mit Car-Sharing-Modellen und intelligenteren Mobilitäts-Strukturen zu arbeiten. Hier ließ Dieter Zetsche nämlich vom Stapel, dass es in diese Richtung natürlich Bemühungen gäbe, und er beispielsweise als Berater des Shanghaier Bürgermeisters eng mit den Behörden arbeite (kurzes Raunen im Publikum). Soso. Die Frage, die ich mir hier allerdings stelle ist, ob man hier nicht doch den Bock zum Gärtner macht und inwieweit das alle Potentiale der möglichen Entwicklung der Mobilität in diesen Märkten ausschöpft.

Fazit: Alles in allem ein sehr interessanter Talk, mit einem vor allen Dingen sehr nahbaren Dieter Zetsche. Sollte man gesehen haben.

Highlight Tag 3: Die Macht der Crowd

Nachdem der frühe Dienstagabend dank des Kreativ-Netwerks Baden-Württemberg mit dem ein oder anderen Tannenzäpfle endete, startete ich recht „passiv“ in den letzten Konferenztag. Als die Lebensgeister dann gegen Mittag wieder gegenwärtig waren stürzte mich in den Endspurt und freute mich vor allem auf die Session „Von außen nach innen: Der soziale Kontext von Crowdsourcing“. Die beiden sehr sympathischen Redner Thomas Gegenhuber und Robert Bauer von der Johannes Kepler Universität in Linz zeigten Chancen und Möglichkeiten des Crowdsourcings für Unternehmen auf. Dabei gaben sie 5 zentrale Empfehlungen für den Einsatz von Crowdsourcing ab:

  • Verwendung von Crowdsourcing als Marketinginstrument
  • Respekt für die Crowd
  • Anpassung der Unternehmensorganisation
  • Management: Messen und Anerkennen
  • Leadership: Krise und Charisma

Dabei kam auch immer wieder zur Sprache, dass modernes Crowdsourcing nicht nur extern, also zwischen Unternehmen und der Crowd, sondern auch intern, also innerhalb der Unternehmung etabliert werden muss. Der Königsweg sei dann anschließend, internes mit externem Crowdsourcing zu verknüpfen. Nur so ließe sich das ganze Innovationspotential von Crowdsourcing auch wirklich nutzen.

Fazit meines Besuchs auf der re:publica 2013

Meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen. Die anfängliche Angst, nur auf völlig abgefreakte Nerds zu treffen verflog innerhalb der ersten Stunden auf dem Konferenzgelände. Die enorme Breite an Themen, Thesen und Diskussionen macht die re:publica in meinen Augen zu einer Internet-Konferenz, die auch für den Otto-Normal-Verbraucher interessant sein kann. Und es, wie anfangs schon erwähnt, eigentlich sein muss. Denn hier geht es um unser Internet und die aktive Gestaltung dieses Mediums hin zum bestmöglichen Erlebnis für alle.

Und allein das gemeinsame Singen im größten „Nerd-Chor“ der Welt ist die Reise nach Berlin auf jeden Fall wert. Bis zum nächsten Jahr. Ganz bestimmt. 😉

Berichte anderer rp13-Blogger (wird fortlaufend aktualisiert):

Thomas Knüwer – re:publica 2013: Bunt und schön
Yellow BLOGhaus – Re:publica 2013 – Und alle so YEAH (#rp13)
Thomas C. Böhm – Rückblick: Re:publica 2013

Zum re:publica Youtube Kanal mit allen aufgezeichneten Sessions -> hier lang!

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Christian

Kurz zu mir: Als Social Media Community Manager der Firmengruppe Liebherr betreue ich die verschiedenen Firmen-Auftritte auf Facebook, Twitter, Instagram, Google+ und YouTube. Daneben blogge ich hier über Social Media Marketing, Online Marketing und sonstigen digitalen Schabernack.

Kommentare (8) Schreibe einen Kommentar

  1. Jetzt bin ich ja ein wenig beruhigt, dass YouTube nicht nur an mir vorbeigegangen ist. Mit ähnlichen Gefühlen bin ich da auch rausgelaufen und habe (leider nicht die ganze) Session zur YouTube Nutzung für ngos im Rahmen der re:campaign am Dienstag besucht. War absolut lohnenswert und hat mir gezeigt, dass ich mich auch damit dringend beschäftigen muss.

    Danke für deine schöne Übersicht

    Antworten

  2. Pingback: Re:Publica 2013 – Impressionen und Empfehlungen | Lars Müllenhaupt

  3. Ich bin ja ein leidenschaftlicher Verfechter (müsste ich dem Zeitgeist folgen und „eine leidenschaftliche Verfechterin“ schreiben? :D) von YouTube. Deshalb fand ich es jetzt auch sehr gut, dass du es dir als ein persönliches Highlight gesetzt hast. Für mich selbst ist es manchmal sehr überraschend, dass die YouTube-Welt teilweise immer noch sehr „verborgen“ zu sein scheint, da ich mich gerne in der Community aufhalte und es dann überwältigend ist, wie viele Menschen dort zusammenkommen. (Mein Neid darüber, dass du LeFloid gesehen hast… gah) Find ich auch ziemlich interessant, weil YouTube einfach die Plattform des Selbst-Entscheidens ist und mit so unfassbar viel Auswahl. Wobei sich über Christoph Krachten ja ziemlich die Geister scheiden. :)
    Ansonsten bin ich neidisch, dass du die Re:Publica so erlebt hast.
    Viele Grüße von der Theken-Talk-Bekanntschaft. :)

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    • Hallo Natalie!
      Ja, YouTube ist definitiv größer und birgt noch viel mehr Potential als von der breiten Masse wahrgenommen.
      Nicht neidisch sein: Einfach nächstes Mal mitkommen! Es lohnt sich auf jeden Fall!

      LG,
      Christian

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  4. Pingback: Thomas Gegenhuber » Blog Archive » Update

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