Viral oder voll daneben? Die Eltern-Kampagne der DHBW

Youtube Kanal DHBW

In Zeiten des hart umkämpften Arbeitsmarkts buhlen schon längst nicht nur Unternehmen um die Gunst der Sprösslinge. Auch Bildungseinrichtungen müssen ihr Angebot bestmöglich vermarkten, damit sie auch in Zukunft ihre Hörsäle voll bekommen.

So auch die Duale Hochschule Baden-Württemberg (kurz: DHBW), an welcher ich, quel surprise, auch eingeschrieben bin und um deren Social Media Aktivität es im Folgenden geht:

Die Facebook Fanpage der DHBW

Die Facebook Fanpage der DHBW

Üblicherweise versuchen die Recruiter, wie im letzten Best Practice Beispiel der Firma KaVo aus Biberach, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen direkt über ausgewählte Social Media Kanäle anzusprechen. So auch bislang die DHBW: Der zentrale Facebook Auftritt ist hervorragend gepflegt (sogar Impressum! Brudal.), bietet den Studierenden und denen, die es noch werden möchten, hilfreiche Informationen und eine weitere Plattform um mit der DHBW in den Dialog zu kommen. Da gibt’s gar gar gar nix zu meckern.

Doch versucht man sich seit geraumer Zeit an einer neuen Zielgruppe: Mami und Papi.

Mami und Papi des DHBW-Studenten leben in einer schick eingerichteten Doppelhaushälfte in Hamburg/Blankenese (Vermutung, da völlig dialektfrei), werden von Jogi Löws Modeberater eingekleidet und haben im Gegensatz zu den ganzen Uni- und FH- Ellis ein intaktes Sexleben.

Glaubt ihr nicht? Dann werdet selbst Zeuge!
Hier mein „Lieblingsfilm“:

Autsch.

Summa Summarum tummeln sich 6 dieser „Imagefilme“ auf den Youtube-Kanälen „DualeHochschuleBW“ und „BWjetzt“. Ersterer von beiden wird anscheinend vorrangig als reiner Host für die Flimmerbildchen genutzt, da der Kanal wenig bis garnicht gepflegt ist und die Klickraten der Videos mit ca. 1000 doch relativ niedrig sind. Eingebettet wird das ganze dann auf Facebook und der offiziellen DHBW-Website.

Beim zweiten Kanal handelt es sich um den offiziellen Youtube-Kanal des Baden-Württembergischen Staatsministeriums, auf dem die Videos momentan bis zu 60.000 Views bekommen. Geht doch.

Aber nun zurück zur Eltern-Kampagne. Bevor ich meinen Senf, pardon, Soß‘ dazu gebe möchte ich noch zwei Meinungen auf der Facebook Fanpage der DHBW zitieren:

Das sagt die Duale Hochschule selbst über die Kampagne:

„Ziel der Kampagne ist es, mögliche Bedenken und Sorgen der Eltern im Hinblick auf ein Studium ihrer Kinder bewusst humorvoll und auch etwas provokativ aufzugreifen, um Aufmerksamkeit zu erregen und gegebenenfalls auch eine virale Verbreitung zu erreichen. Das Augenzwinkern geht also eher in Richtung der Eltern und nicht in Richtung der Studierenden.“

Die Nutzerin Rosa Schneider möchte einen Bekannten haben, welcher in der Werbeagentur arbeitet die für das Konzept und die Umsetzung der Spots verantwortlich ist:

„[…] Und die kontroversen Diskussionen um die Spots zeigen doch, dass wir dadurch viel mehr Aufmerksamkeit bekommen als mit irgendsoeiner Weichspülerkacke à la „Für meinen klugen kleinen Liebling braucht es natürlich nur die beste Universität: Darum DHBW…“

Meines Erachtens verfolgt die DHBW mit der Kampagne ein unter Marketing-Aspekten absolut gerechtfertigtes Ziel, denn die Erzeuger sind heute nach wie vor ein wichtiger Einflussfaktor im Entscheidungsprozess der frisch gebackenen Schulabgänger.

Youtube Kanal DHBW

Die DHBW auf Youtube – Die Meinungen sind gespalten

Ob Argumente wie „Vorlesungspflicht!“ oder „KEINE FREIZEIT!“, selbst in überspitzter Form, den Geschmack der Zielgruppe treffen ist dagegen eher fraglich. Der teilweise sehr rote Balken unter den Videos spricht eine andere Sprache. Polarisiert wird auf jeden Fall. Wäre nur interessant zu wissen wer auf den grünen bzw. roten Daumen drückt:

Wahrscheinlich im ersten Fall die Eltern, denen es beim Stichwort 6-Semester-Studienfinanzierung „kalt da‘ Buckel nalauft“ und andererseits die DHBW-Studenten, die sich Tag und Nacht dem Studium verpflichten und sich krumm machen, damit Papi endlich seinen 3D-Fernseher bekommt.

Und jetzt seid ihr dran:

Was ist eure Meinung? Sauschdark oder saubled? Spätzle oder Saumagen?

Beste Grüße aus der Küche!

Hier geht’s zum Youtube-Kanal der DHBW und den restlichen Videos.

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Christian

Kurz zu mir: Als Social Media Community Manager der Firmengruppe Liebherr betreue ich die verschiedenen Firmen-Auftritte auf Facebook, Twitter, Instagram, Google+ und YouTube. Daneben blogge ich hier über Social Media Marketing, Online Marketing und sonstigen digitalen Schabernack.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Provokativ ist die neueste Kampagne der DHBW allemal!

    Virale Reichweite wurde sicherlich mit der Kampagne erreicht, doch zu welchem Preis?

    Generell hat DHBW Recht. Die Eltern spielen bei der Studienplatzwahl eine entscheidende Rolle. Warum also nicht die Eltern direkt durch eine Werbekampagne ansprechen. Durch die bildungspolitischen Entwicklungen werden vermehrt „Kinder“ und nicht junge Erwachsene zum Studieren geschickt. Wenn die Eltern also den Ausbildungsvertrag und den Mietvertrag unterschreiben müssen, ist dieser Ansatz völlig gerechtfertigt.

    Doch wie standhaft sind die Versprechen die von der DHBW gegeben werden? Wird der Schwan schnell zum hässlichen Entlein?

    Machen Sie sich hierzu Ihr eigenes Bild!

    Anwesenheitspflicht in den Vorlesungen:
    – Ist eine Anwesenheitspflicht überhaupt notwendig, wenn es möglich wäre einen Studienplan anhand der eigenen Interessen zu gestalten?

    Studium mit festem Einkommen:
    – Tatsache: Es bestehen große Einkommensunterschiede zwischen den einzelnen Branchen und Unternehmen.
    – Bei vielen Papis sieht es daher sehr schlecht mit dem 3D-Fernseher aus!

    Intensivstudium statt langer Semesterferien:
    – Tatsache: Burnout ist nicht nur ein Problem von hartarbeitenden Mamis und Papis!
    – Brauchen Studierende nicht auch mal Zeit zum Entspannen?

    Studieren und gleichzeitig Berufserfahrung sammeln:
    – Wird die „Berufserfahrung“ während des Studiums als richtige Berufserfahrung anerkannt?

    Direkter Einstieg in den Beruf:
    – Was ist mit den Studierenden, die diese Erfahrung nicht machen oder weiterstudieren wollen?

    Schneller Karriere machen:
    – Gibt es hierzu eine empirische Studie die belegt, dass DH-Studenten schneller Karriere machen als Uni- oder Hochschulabsolventen?

    Prinzipiell ist ein DHBW-Studium eine gute Entscheidung, aber hier wurde für meinen Geschmack die Suppe zu sehr versalzen. Sie wird durch die Versprechen als sehr appetitlich präsentiert, eine Verkostung kann aber schnell zu einer Magenverstimmung führen.
    Virale Reichweite ist das Eine, aber zufriedene Studierende das Andere! Die DHBW darf nicht vergessen, dass nicht die Eltern, sondern die Studierenden maßgeblich am Studienalltag beteiligt sind.

    Was mich persönlich noch sehr interessieren würde, ist wie die Partnerunternehmen über diese Kampagne denken. Vielleicht kann ja der Küchenchef hierzu noch einen Nachschlag liefern!

    Beste Grüße an die Küche!

    Tobias

    Antworten

    • Danke Tobias, für deinen Beitrag!

      Viele Punkte die du angesprochen hast kann ich aus meiner Sicht unterstreichen.

      Auch ich sehe es so, dass die „Vorteile“ sich gerne mal als hässliches Entlein entpuppen, wenn man dann mal als Student an der DHBW ist. So ist die Anwesenheitspflicht tatsächlich in manchen Vorlesungen eine Farce und nicht selten dezimiert sich die Teilnehmerzahl im Kurs, wenn die Qualität der Vorlesung niedrig ist.

      Nach wie vor bin ich allerdings der Meinung, dass die DHBW ein wertvolles Pendant zu den eher wissenschaftlicheren Ansätzen der Unis darstellt.

      Jedem das seine.

      Ich bin gespannt, wie sich die Diskussion gerade im Anbetracht der angestrebten Ziele dieser Kampagne, noch entwickeln wird.

      Beste Grüße,
      Christian

      Antworten

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