Warum ein Blog keinen Sinn macht.

Ausrufezeichen Christian-Mehler.de

Ich sitze an der Vital-Bar meines Fitness-Tempels und unterhalte mich angeregt mit Sylvia und Arne.

Kurze Vorstellungsrunde: Sylvia ist ca. einsachtundsiebzig groß und besitzt einen geschätzten Körperfett-Anteil von 1,2 %. Sie hat ihr Wasserstoff-Peroxid gefärbtes Haar unter Zuhilfenahme ihres neuen Under Armor Stirnbands (Model StudioLux®) perfekt im Zaum. Das Band passt natürlich zu ihrem Jawbone. Und zu den Turnschuhen. Da passt einfach alles.

Arne hingegen ist auf den ersten Blick eher so der Typ Comic-Heft-Verkäufer: Bauchumfang 114, Freddy-Mercury-Gedächtnis-Schnauzer und trägt eine unvorteilhaft gewählte Farbkombi bestehend aus seiner Lieblings-Radlerhose und dem Meckatzer-Fanclub-Shirt Edition 2011. Da passt einfach gar nichts.

Wir unterhalten uns also bei stillem Wasser (Sylvia), Hefeweizen (Arne) und Stracciatella-Protein-Shake (Ich. Massephase und so.) über unsere Trainingsgepflogenheiten und das perfekte Work-Out: Sylvia, die extra aus dem 85 Kilometer weit entfernten Tuttlingen anreist, um dienstags eine Stunde „Zumba Sentao“ (Der ganz neue Shit.) gefolgt von einer Stunde „Vinyasa Yoga“ („Zum Runterkommen…“) zu geben, gönnt sich wöchentlich mindestens 9 (!) Einheiten. Respekt.

Ich für meinen Teil würde mich dagegen mehr als „Fitness-Saisonarbeiter“ sehen. Es fängt mit dem Blick auf die Waage nach Dreikönig an, gefolgt von der Februar-Ausgabe der Men’s Health. Titel: Der 28-Tage-Bauch-weg-Boost. Gesehen. Gekauft. Darauf folgen ca. 9 Wochen halbwegs diszipliniertes Training. Manchmal sogar 10.

Und Arne? Ja, der Arne. Arne schaut einmal die Woche rein, trägt 2 Hanteln von einer in die anderen Ecke und blockiert abwechselnd Brust- und Beinpresse. Das einzige, im Trainingsplan festzementierte Element ist sein Hefeweizen an der Vital-Bar. Immerhin. „Einmal die Woche Training? Aaaarne…“, kichert Sylvia, „… das macht doch keinen Sinn!“

Die Sinnfrage

Du fragst dich an dieser Stelle, was diese Story denn mit der Headline zu tun hat. Zurecht. Aber ich will es dir verraten: Ziemlich viel. Anfang Februar habe ich in einem Beitrag angekündigt, monatlich einen Artikel abliefern zu wollen. Nicht mehr. Nicht weniger. Es gab, neben den zahlreichen Berichtigungen à la „das war der Marius, nicht der Herbert!“ auch ein, wie ich finde, interessantes Statement des geschätzten Kollegen Oliver Gassner, welches ich hier gerne zitieren möchte:

Bildschirmfoto 2015-02-25 um 21.58.07

Eine Aussage, die mich zum Nachdenken angeregt hat. Danke hierfür, Oliver! Denn auch ich habe zu Beginn dieses Experiments „Blog“ viele Menschen und Unternehmen beobachtet, bewertet und mir ein Bild gemacht. Und die passende Meinung gleich mit. Spät-jugendlicher Leichtsinn gepaart mit einer Prise Übermut brachten aus mir Sätze hervor wie „Das ist doch KOMPLETTER crap!“, „Würde ich ganz anders aufziehen. Ernsthaft.“ und „So macht das doch überhaupt keinen Sinn.“.

Einige (die Mehrzahl) meiner damaligen Einschätzungen und Aussagen würde ich heute vermutlich nur bedingt teilen. Weshalb? Ganz einfach. Weil ich die Vorgehensweisen anderer schlicht und ergreifend nicht annähernd hinreichend beurteilen kann. Nicht aus meiner Sicht. Never. Ich kenne in der Regel weder die Motivation (die wirkliche, tiefe Motivation) hinter einem Vorhaben, noch kenne ich die Rahmenbedingungen, die der- oder diejenige tagtäglich vorfindet, um dieses Vorhaben zu realisieren.

Ich kann lediglich die Zielsetzung erahnen und schätzen, in welchem Ausmaß die angewandte Methode und die eingesetzten Mittel die Erreichung dieser Ziele beeinflussen: Versetze mich in den Blogger, Berater, Buchautor und Speaker Oliver, so könnte ich vermutlich darauf kommen, dass eine gewisse Schlagzahl an Artikeln in seinem Blog von Nöten ist, damit er innerhalb seiner Zielgruppe mit der nötigen Frequenz und den passenden Inhalten als das wahrgenommen wird.

Versetze ich mich hingegen in eine ehemalige Arbeitskollegin, die einfach nur gerne ihre tollen Fotos und lesenswerte Berichte ihrer Neuseeland-Reisen mit der Welt teilen möchte und ihre Schreiblust zu stillen versucht, dann kann ich das auch sehr gut nachvollziehen.

Und genau deshalb macht ein Blog keinen Sinn.
Genau so wenig wie eine Website oder eine Facebook Fanpage Sinn macht.
Kein Format macht Sinn.

Es liegt an uns, den Formaten ihren Sinn zu geben.

Arne erreicht sein Trainingsziel

Nachdem ich gedanklich eben kurz rechts rangefahren bin, sind Sylvia und Arne schon beim nächsten Thema angelangt: Game of Thrones. Die Frage wird von beiden heiß diskutiert, ob Tywin nun von dem hinterhältigen Mordplan gegen Joffrey wusste oder nicht. Ich klinke mich hier besser aus. Game of Thrones. Come on. GZSZ mit Drachen. Nichts für mich.

Aber schön, dass Sylvia und Arne doch noch einen gemeinsamen Nenner gefunden haben. Irgendwie freaky. Als ich meinen überteuerten Protein-Shake zahle und aus der Vital-Bar schlendere, drehe ich mich nochmal um und sehe Arne, wie ich ihn noch nie zuvor hier gesehen habe: er leuchtet.

Hmm.

Vielleicht hat er sein Trainingsziel heute ja doch erreicht.

Jetzt macht das ganze doch irgendwie Sinn, oder?

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Christian

Kurz zu mir: Als Social Media Community Manager der Firmengruppe Liebherr betreue ich die verschiedenen Firmen-Auftritte auf Facebook, Twitter, Instagram, Google+ und YouTube. Daneben blogge ich hier über Social Media Marketing, Online Marketing und sonstigen digitalen Schabernack.

Kommentare (6) Schreibe einen Kommentar

  1. Das macht doch überhaupt keine Sinn! Also bitte! Straciatella?! Wo doch mittlerweile alle Welt weiß, das NICHTS über Erdbeere geht.

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  2. Ich kann Deinen Gedankengängen (zumindest im Mittelteil 😉 ) durchaus folgen. Die Motivation und das Konzept eines jeden Blogs ist so, so unterschiedlich.

    Nehmen wir mal den Experten-Blog: Da schreibt einer, weil er etwas zu sagen hat – Inhalte mit viel Sinn also. Doch das kann man nicht in ein Schema pressen. Da brauchts es Themen und Eingebungen, das kann zweimal im Monat genauso wie alle zwei Monate sein. Trotzdem ein wichtiger Blog.

    Da gibt es den Corporate-Blog, der einfach nötig ist, um Shops oder Firmen-Webseiten in Bewegung zu halten, zu zeigen, dass dort etwas passiert, damit etwa Kunden Informationen erhalten und aber auch erkennen, dass sie es mit Fachleuten zu tun haben. Regelmäßigkeit wäre hier wünschenswert, aber ist nicht elementar – Hauptsache der letzte Beitrag ist nicht schon ein halbes Jahr alt. Letztlich aber unverzichtbar.

    Kurz und gut: Es gibt nicht _den_ einzig richtigen Rhythmus, es gibt den, der Sinn macht, der dem Blogger entspricht. Warum sich Oliver Gassner über einen nur spärlich betexten Blog mokiert, darüber kann ich nur spekulieren.

    Gruß,

    Tom

    P.S. Da fällt mir ein: Habe vor einiger Zeit in meinem (nur spärlich bestückten) Blog auch mal was dazu geschrieben, vielleicht ist das ja eine kleine, nützliche Ergänzung: http://www.profi-news.de/textblog/marketing/content-marketing-macht-es-sinn-weiterhin-einen-unternehmens-blog-zu-pflegen/

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  3. Chris, Eiweißshake bitte in der Massephase sinnvollerweise nur mit Mandel- oder Hanfmilch 😉
    Ansonsten – toller Beitrag – weiter so!

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