Wie digital ist die deutsche Wirtschaft?

Logo IWK und BITKOM

Im Rahmen der Hannovermesse hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IWK) und die BITKOM eine Studie vorgestellte, die folgende Frage beantworten soll :“Wie viel Internet steckt in deutschen Unternehmen?“ – sponsored by Google.

Das 38 Seiten starke Paper kommt zu dem bahnbrechenden Ergebnis, dass das Internet a) „ein selbstverständlicher Bestandteil der Geschäftsmodelle deutscher Unternehmen geworden ist“ und b) sich deutliche Unterschiede zwischen Dienstleistungssektor und der Industrie zeigen.

Willkommen in 2013.

So weit zum Ergebnis der Studie, an der 2500 deutsche Unternehmen teilnahmen und somit representativ die mehr oder weniger digitalisierte deutsche Wirtschaft abbilden. Und damit wir alle rechtzeitig ins Wochenende kommen, möchte ich euch hier kurz und knackig einige wesentliche und teilweise, zumindest für mich, überraschende Erkenntnisse und Fakten vorstellen:

  • Für 54% der deutschen Unternehmen spielt das Internet eine untergeordnete oder gar keine Rolle
  • ca. 535.000 Unternehmen verfügen nicht über einen Internetzugang
  • Für 16% der Unternehmen spielt das Internet eine zentrale Rolle, für 33% eine wichtige Rolle
  • Stark internetabhängige Unternehmen sind tendenziell kleiner (Umsatz/Mitarbeiter)
  • 50% der Unternehmen, für die das Internet eine wichtige Rolle spielt, sprechen ihre Kundschaft im Internet an. Jedoch gehen nur 25% dieser Unternehmen davon aus, dass sie ihr Produkt auch tatsächlich im Internet kaufen.
  • 100% der Industrieunternehmen, für die das Internet eine wichtige Rolle spielt, geben an, einen großen Teil der Kundenansprache über das Internet zu tätigen
  • Ein Schraubenschlüssel mit Internetanschluss scheint „wenig sinnvoll“
  • Die Anzahl der Unternehmen, für die das Internet eine wichtige Rolle spielt und angeben, dass ihr Produkt bzw. Dienstleistsung direkt vom Internet abhängt ist im Dienstleistungssektor fast doppelt so hoch wie in der Industrie
  • Den ersten Schritt in die Digitalisierung gehen kleine Unternehmen in der Regel nicht von sich aus, sondern weil größere Geschäftspartner gewisse E-Standards verlangen
  • Der Exportanteil am Gesamtumsatz ist bei Unternehmen, für die das Internet eine zentrale Rolle spielt, doppelt so hoch verglichen mit Unternehmen, für die das Internet nur eine untergeordnete Rolle spielt

Die Studie kommt ganz nebenbei zum Ergebnis, dass internetaffine Gründer und Unternehmen, die die Chancen und Möglichkeiten des Internets nutzen im Durchschnitt erfolgreicher sind. Auch die zukünftigen Erfolgserwartungen fallen bei Unternehmen bei denen das Internet eine wichtige bis zentrale Rolle spielt durchgehend positiver aus als bei den „Offlinern“.

Industrie 4.0

Zum Ende hin wird noch der Begriff „Industrie 4.0″ eingeführt. Das ist laut Studie der vierte Evolutionsschritt der Industrie, in dem das Internet eine maßgebliche Rolle in den gesamten Unternehmensprozessen erhält und somit zum zentralen Erfolgsfaktor wird.

Jedoch geben 78% der Unternehmen an, dass Industrie 4.0 für sie momentan keine strategische Bedeutung hat. Aber immerhin sagen 60%, dass sie zwar noch nicht planen hier tätig zu werden, es sich aber durchaus vorstellen können. Oder übersetzt: „Wir haben keine Ahnung was da abgeht, aber wenn es nötig ist, machen wir halt mit.“

So richtig spannend wird diese Aussage dann in Kombination mit der nächsten Frage:

Relevanz Industrie 4.0

Quelle: Bitkom Research (2013)

Wtf? Oben haben wir erfahren, dass über drei Viertel der Unternehmen angeben, hier wenig bis gar keinen strategischen Handlungsbedarf für sich zu sehen. Bei der Frage, wie wichtig Industrie 4.0 für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft sein wird, antworten jedoch nahezu alle befragten Unternehmen mit wichtig (42%) und sehr wichtig (49%). Bin ich der einzige der jetzt mit dem Kopf schüttelt?

Das Fazit

Es lässt sich also feststellen, dass Unternehmen, die die Möglichkeiten des neuen Mediums nutzen in der Regel erfolgreicher sind. Punkt. Es ist also im Interesse aller, die Entwicklung in Richtung Industrie 4.0 voranzutreiben – und somit sollte es ganz besonders im Interesse unserer Politiker sein.

Denn Grundvoraussetzung für den Erfolgszug in die deutsche Industrie ist natürlich erstmal die technische Vernetzung, sprich der Breitbandausbau. Zudem müssen die Hürden beim Export von Dienslteistungen für Unternehmen gesenkt werden. Hier ist zwar durch neue EU-Verordnungen schon einiges geschehen, allerdings erschweren gerade im EU-Binnenmarkt unterschiedliche Mehrwertsteuersätz und vor allem Datenschutzregelungen den Export von Dienstleistungen. Die dritte und letzte Hausaufgabe für die deutsche Politik wird dann die Sicherung, oder noch besser Steigerung des Bildungsniveaus und der Qualifikation sein. Denn wie die Studie zeigt, haben Unternehmen, für die das Internet eine wichtige bis zentrale Rolle spielt einen erhöhten Bedarf an gut ausgebildeten Mitarbeitern.

Doch am Ende liegt es wohl auch erstmal hauptsächlich an den Unternehmen und Unternehmern selbst, die Chancen des Internets zu erkennen und den Mut dafür aufzubringen die Scheuklappen abzulegen um zu erkennen, dass sich Risiken hier nicht vermeiden lassen, indem man einfach nicht mitspielt.

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Christian

Kurz zu mir: Als Social Media Community Manager der Firmengruppe Liebherr betreue ich die verschiedenen Firmen-Auftritte auf Facebook, Twitter, Instagram, Google+ und YouTube. Daneben blogge ich hier über Social Media Marketing, Online Marketing und sonstigen digitalen Schabernack.

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